Predigt: Ready for the Storm (Markus 4, 35-41)

1. Februar 2008 (Kommentare: 0)

Seid Ihr bereit für den Sturm? „Da erhob sich ein heftiger Sturmwind. Die Wogen schlugen ins Boot. Und das Schiff begann vollzulaufen.“ Vor Jahren hörte ich an einem Folkkonzert ein keltisches Lied mit dem Refrain: „Am I ready for the storm? Yes, I'm ready for the storm.“ Das hat mich seither nicht mehr losgelassen. Ich fühle mich nämlich nicht bereit für den Sturm. Ich bin ein Schönwetterpilot.

Ihr wisst, dass ich den Lebenssturm meine, die Not, das Leiden, den Absturz, die Krise, den Streit. Darauf ist man selten vorbereitet. Kann man sich überhaupt vorbereiten auf Lebenskrisen? Auch wenn der Sturm einen meistens überraschend überfällt, so kann man doch ausgerüstet sein und nicht völlig blauäugig in ein Gewitter hineinspazieren. Darum geht es auch in der Geschichte vom Seesturm, die wir mit den Kindern hörten.

Die Fünftklässler wollen jeweils wissen, ob diese Geschichte wahr ist. Hat Jesus wirklich einmal nur mit seinem Wort einen Seesturm „gschweigget“? Ja, diese Geschichte ist wahr, aber anders wahr als das, was Ihr in der Tagesschau seht. Dort sieht man, dass irgendwo irgendetwas Besonderes passiert sei. Das lässt einen meistens völlig kalt. Die Geschichte von Jesus im Sturm aber ist wahr, weil Gott durch sie zu uns redet. Die Bibel ist Gottes Wort, nicht die Tagesschau von früher. Auf diese Geschichte muss man anders hören als auf die Nachrichten. Die Geschichte hat uns heute etwas zu sagen.

1. Als erstes sagt uns die Geschichte, dass wir auch im gefährlichsten Sturm nicht untergehen, wenn Jesus in unserem Lebensschiff ist. Wie können wir wissen, dass Jesus in unsere Lebensschiff ist? Meistens macht er ja keinen Lärm, sondern schläft hinten im Boot. Wisst Ihr, dass Jesus in eurem Lebensschiff ist? Ja, das kann man wissen. Und man sollte es wissen, damit man bereit ist für den Sturm. Der Mensch weiss erst, dass Jesus in seinem Leben ist, wenn er ihn ausdrücklich eingeladen hat. Jesus war sicher schon früher in unserem Leben. Wir glauben, dass er seit der Taufe in uns lebt, wahrscheinlich schon früher. Aber wissen tut das der Verstand erst, wenn er Jesus bewusst ins Leben eingeladen hat. In der Offenbarung sagt Jesus: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ Wenn ich mich bewusst öffne für den, den Gott zu uns gesandt hat, dann tritt er in mein Leben und bleibt in mir. Habt Ihr im Advent das Lied gesungen: „Macht hoch die Tür?“ Dann habt Ihr auch gesungen: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.“ Wer das bewusst singt oder betet, weiss, dass Jesus in seinem Lebensschiff ist.

2. Das zweite, das die Geschichte uns sagt: Wenn der Sturm uns überfällt, schläft Jesus seelenruhig hinten auf einem Kissen. In der Lebenskrise werden wir also das Gefühl haben, Gott habe uns verlassen. Wir müssten ganz alleine rudern und schöpfen, und wenn wir mal ein wenig Luft schnappen würden, geht die Gelte unter. Man hat im Sturm den Eindruck, Jesus kümmere sich nicht um uns. „Kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?!“, rufen die Jünger, nachdem sie ihn endlich wach gekriegt haben. Mit dem Gefühl der Gottverlassenheit müsst Ihr unbedingt rechnen. Das bleibt uns nicht erspart. Das ist wahrscheinlich das Schlimmste am ganzen Sturm, dieses Gefühl: „Niemand hilft!“ Seid Ihr bereit für den Sturm? In Eure Ausrüstung gehört das Wissen: „Ich werde Gott nicht spüren, wenn es darauf ankommt.“ Diese Übung gehört zu unserem Vitaparcours. Ihr kennt sicher die weltbekannte, schon kitschige Geschichte, wo einer auf sein Leben zurück schaut und zwei Fussspuren sieht im Wüstensand. „Ah, wunderschön“, sagt er, „da ist immer Jesus neben mir durchs Leben gegangen, darum sieht man zwei Spuren.“ Aber dann sah er Strecken, wo es nur eine Spur gab. Und er fragt Jesus: „Was ist da los? Wo bist du da gewesen? Das waren die Zeiten, wo ich dich besonders nötig gehabt hätte! Warum sieht man da nur eine Fussspur?“ Und Jesus antwortet: „Da habe ich dich jeweils getragen.“ Das Gleiche sagt unsere Seesturmgeschichte: Er ist schon da, keine Angst. Aber du merkst es nicht, weil er im Sturm schläft.

3. In der Not musst du ihn wecken. Warum denn? Warum sieht Gott nicht auf einem Monitor, dass da einer seiner Leute in Seenot ist? Warum blinken bei ihm nicht die roten Lämpli und er springt von selber herbei? Warum in aller Welt soll man den lieben Gott wecken müssen? Dazu hätte ich gescheite Erklärungen bereit, aber die nützen wenig. Die Mythen und Märchen sagen es: In der Not musst du den richtigen Spruch hersagen. Die Psalmen der Bibel sagen es: „Rufe mich an in der Not, und ich will dich erretten und du sollst mich preisen“ (Ps 50,15). Der Volksmund sagt: Not lehrt beten. Und in unserer Geschichte sagt Gottes Wort: Du musst ihn wecken. Du musst beten in der Not, dann kommt die Hilfe. Darum musst du schon bei schönem Wetter beten lernen. Das gehört zur Ausrüstung.

Und zu guter letzt sagt die Geschichte - irgendwie das Gegenteil, jetzt passt auf! Was sagt denn nun Jesus zu seinen Jüngern? „Gott sei Dank, habt ihr mich geweckt?! Wenn ich diesen Sturm nicht „gschweigget“ hätte, hätte der uns garantiert versenkt. Ich habe gar nicht gemerkt, was das für ein schrecklicher Sturm war. Zum Glück habt ihr daran gedacht mich zu wecken, sonst hätte es nun beinahe gefehlt.“ Sagt er so etwas? Überhaupt nicht. Er ist enttäuscht über seine Jünger und macht ihnen Vorwürfe: „Warum habt Ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Drewermann übersetzt sogar: „Was seid ihr Feiglinge!“ Angsthasen. Wo bleibt euer Vertrauen? Was würde Jesus denn erwarten von seinen armen Jüngern? Dass sie in einem Seesturm alle zusammen im Boot liegen und pennen, wie er? Ja, warum nicht? Jesus scheint gar keine Angst gehabt zu haben, sie würden „zugrunde gehen“. Jesus lebte in grenzenlosem Vertrauen, dass Gott, sein Vater, ihn den guten Weg führt. Wenn er auf dem See Genezareth hätte ertrinken müssen, dann wäre das sein Weg gewesen. Nun aber musste er in Jerusalem gekreuzigt werden. Das erste wäre wahrhaftig leichter gewesen. „Habt ihr noch kein Gottvertrauen?“

Vielleicht sagt Jesus seinen Jüngern und uns: „Der wirklich gefährliche Sturm ist der Sturm in Eurer Seele.“ Das Schlimme ist die Angst, die wir entwickeln, die Panik im Hirn, die uns dumm und lahm macht. Vielleicht der häufigste Ausdruck in der Bibel lautet: „Fürchte dich nicht!“ Eigentlich ist Jesus gekommen, um unsere tödliche Angst zu heilen. Und nicht, um dem Herrn Kachelmann und den Muotataler Wetterfröschen ins Handwerk zu pfuschen. Wahrhaftig, er ist nicht gekommen, um Stürme draussen zu stillen, sondern den Sturm in unserem Innern. Eine solche Verheissung heisst:: „Sei mutig und stark! Geh ans Werk! Fürchte dich nicht, und verzage nicht! Denn der Herr, mein Gott, wird mit dir sein. Er wird dich nicht erlahmen lassen und dich nicht im Stich lassen“ 1 Chr. 18,20. Darauf könnten wir vertrauen, und dann könnten wir sogar in der Not vielleicht den Heiland schlafen lassen. Aber derart starkes Gottvertrauen ist ein Ziel, ein Fernziel, wie wir an den Jüngern erkennen können. Längst nicht alle erreichen dieses grosse Ziel in diesem Leben. Aber auf solch starkes Gottvertrauen hin sind wir alle unterwegs! Man muss nicht immer beten. Wenn du kannst, versuchs vielleicht auch in der Not einmal so: Lass den Meister hinten im Boot schlafen und vertrau, dass Gott mit dir ist.

Einen Kommentar schreiben

*
*
Bitte addieren Sie 5 und 5.
*