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Osterpredigt (Lukas 24)

12. April 2009 (Kommentare: 0)

Osterevangelium nach Lukas 24:

"Während die Jünger noch darüber redeten, trat Jesus selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum laßt ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße: Ich bin es selbst. Faßt mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er: „Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muß in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.“ Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. Er sagte: „So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür.“

Liebe Gemeinde,

wenn wir mit den uralten Worten der Bibel die Auferstehung von Jesus preisen, reden und singen wir gegen unseren Zweifel an. Ich habe zwar gelernt, dass man in der Predigt nur vorsichtig „wir“ sagen soll. Wir sind nicht alle gleich und man soll eben nicht mit dem vereinnahmenden „Wir“ dergleichen tun, wie wenn alle gleich wären. Trotzdem sage ich heute: Wir reden und singen gegen unseren Zweifel an. Ich vermute, dass doch die meisten ihren Zweifel mit sich tragen. Es gibt schon welche, die sagen: „Ich glaube felsenfest an die Auferstehung, da gibt’s keinen Zweifel.“ Aber sie machen einen leicht fanatischen Eindruck. Und es gibt welche, die sagen: „Ich weiss doch, dass es keine Auferstehung gibt. Tote stehen nicht wieder auf.“ Und die so reden, machen einen leicht arroganten Eindruck. In ihrer scheinbaren Zweifelsfreiheit wirken beide nicht überaus glaubwürdig.

Ich glaube an die Auferstehung der Toten, wie es das Glaubensbekenntnis sagt, und zugleich kenne ich den Zweifel im Keller meiner Seele. Ich steige öfter hinunter und gucke, ob er noch da ist; ob er sich noch einigermassen still hält. Dass der Mensch mit der Botschaft der Auferstehung seine Schwierigkeiten hat, weiss die Bibel; und das weiss auch Gott. Auch Jesus wusste es, darum sagte er zu den Jüngern: „Was seid ihr so bestürzt? Warum laßt ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“ Ja, dazu feiern wir Jahr für Jahr Ostern. Wir wollen die Zweifel in unserem Herzen „nicht aufkommen“ lassen. Dass sie im tiefen Keller ihr Wesen treiben, ist unbestritten, Mäuse, grosse Spinnen, vielleicht sogar Ratten. Aber in der Stube haben sie nichts verloren. Da lassen wir sie nicht aufkommen. In die Stube gehören Blumen und blühende Zweige und ein schöner Stein. In unserer guten Stube, in unserem Bewusstsein pflegen wir die Hoffnung und die Vorfreude, die Zuversicht und das Gottvertrauen.

Einige argwöhnen, das sei Heuchelei. Wenn es im Keller schon Zweifel gebe, dann müsse man ehrlicherweise mit ihnen leben und sie halt auch in der Stube dulden. Ja, schauen wir doch das genauer an! Wenn wir am Sonntag Lieder singen von der Auferstehung, aber im Herzen fürchten, mit dem Tod könnte alles aus sein, sind wir dann Heuchler? Lügen wir uns etwas vor? Das möchte ich unter keinen Umständen. Ich möchte wahrhaftig bleiben in meinem Glauben und in meinem Beruf. Meinen Verstand gebe ich sicher nie an der Garderobe ab, wenn ich die Kirche betrete! Nein, ich bin zur Überzeugung gekommen, dass es keine Heuchelei ist, wenn wir den Zweifel im Keller halten und in der Stube die Hoffnung pflegen. So funktioniert nämlich unser Leben immer. Wir haben meistens keine steinharten Fakten, darum müssen wir uns entscheiden zwischen zwei „Vielleicht“

Wir haben keine Fakten darüber, was nach dem Tod kommt. Viele scheinen etwas zu wissen, aber Beweise gibt es keine. Dass wir erlöschen, wenn unser Leib in die Erde gelegt wird, ist eine realistische Möglichkeit. Vielleicht ist es so, muss der Verstand sagen. Dass wir aber in irgendeiner Form weiterleben, dass sich zum Beispiel unser Bewusstsein vom sterblichen Leib löst und in andere Dimensionen geht, wie unzählige Nahtoderfahrungen berichten, ist ebenso realistische Möglichkeit. Auch da muss der Verstand logischerweise sagen: Vielleicht ist es so. Die Logik lässt uns die Wahl, was wir glauben, was wir zur Motivation unseres Lebens machen wollen.

Weil das so ist, müssen wir uns halt entscheiden, welches „Vielleicht“ wir in unsere gute Stube lassen, mit welcher Möglichkeit wir leben wollen, und welches „Vielleicht“ wir lieber im Keller lassen. Dabei müssen wir uns die Frage stellen, was uns mehr nützt. Was hilft uns besser zu leben, der Zweifel, mit dem Tod sei alles aus, oder die Hoffnung der Auferstehung? Ja, wir dürfen uns die weniger wichtige Frage stellen: „was nützt?“, weil die wichtigere Frage unbeantwortbar bleibt, nämlich: „Wie wird es wirklich sein; was ist wahr?“

Das ist oft so im Leben. Sie mussten alle schon einmal eine Prüfung bestehen.. Zum Voraus konnten Sie unmöglich wissen, ob sie die Prüfung bestehen oder ob sie kläglich durchfallen würden. Der Ausgang war ungewiss, darum trafen Sie unbewusst eine Wahl: Will ich mit Hoffnung auf die Prüfung lernen oder mit Zweifel? Hier ist unbestritten, dass einer viel besser lernt, wenn er in seinem Herzen die Hoffnung hegt und pflegt: „Ich werde es schon schaffen.“ Stellt er sich ständig die andere Möglichkeit vor Augen: „ Ich werde sicher durchrasseln, wie so viele vor mir,“ so wird ihm das Lernen unheimlich stinken und er muss sich übermenschlich anstrengen.

Nun liegt doch auf der Hand, dass es sich mit der Frage nach der Auferstehung gleich verhält. Wenn wir uns ständig vor Augen halten „Mit dem Tod ist alles aus“, werden wir zu gierigen Menschen. Wir bekommen den Eindruck, wir müssten möglichst viele irdische Genüsse konsumieren, sonst würden wir etwas verpassen. Wir werden zynisch und lassen bald nichts mehr gelten, was nicht mit Geld zu kaufen ist. Wir werden depressiv und mürrisch, wenn wir ins Alter kommen und erleben, wie alles abnimmt, was uns am Leben Freude macht. Wenn wir uns aber für die Hoffnung entscheiden und die Vorfreude eintrainieren auf die Begegnung mit unserem Retter und Schöpfer in den ewigen Dimensionen, so beflügelt das unser Leben. Weil wir annehmen, das Schönste komme noch, können wir auf dieser Erde auch verzichten und die Schöpfung bewahren für kommende Generationen. Wir können uns an geistigen Werten ausrichten, weil wir wissen: Wir werden einmal danach beurteilt, ob wir die Liebe gelebt haben. Und wenn die irdischen Freuden abnehmen, freuen wir uns auf die kommenden. Somit ist es vernünftiger, die Hoffnung zu pflegen und den Zweifel im Keller zu lassen. Wir verdrängen den Zweifel nicht. Wir wissen durchaus um das andere „Vielleicht“.

Was aber wäre, wenn sich heraus stellen sollte, dass der Zweifel im Keller Recht gehabt hätte? Wenn mit dem Tode alles aus sein sollte? Dann hätten wir wohl mit einer Illusion gelebt, aber dafür hätten wir besser gelebt. Es ist einfach schöner, am Morgen mit Zuversicht und Hoffnung aufzustehen!

Der Gedankengang, den ich Ihnen hier vorgerechnet habe, hat einen berühmten Namen. Er heisst „Die Wette Pascals“. Es ist das berühmte Argument des Mathematikers Blaise Pascal für den Glauben an Gott. Pascal argumentiert, es sei stets eine bessere „Wette“, an Gott zu glauben, weil der Erwartungswert des Gewinns, der durch den Glauben an Gott erreicht werden könnte, stets größer sei als der Erwartungswert im Falle des Unglaubens.

Darum feiern wir mit Überzeugung Ostern. Mit dem vertrauenswürdigen Zeugnis der Heiligen Schrift, mit der Botschaft von Jesus Christus, mit schönen Liedern und guter Musik stärken wir einander die Hoffnung auf etwas Wunderschönes, das uns hinter dem Tor des Todes erwartet. Als Monika Leuthold in einer Lawine verschüttet war und die ersten Sterbe-Erlebnisse machen durfte, waren diese so wunderschön, dass sie noch Jahre danach schreibt: „Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich froh darüber bin, dass ich gerettet wurde.“ Frohe Ostern!

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