Hingabe und Hoffnung - Christ und Krankheit. Predigt Radio Heimatklang zu Lk 18,35ff

11. August 2013 (Kommentare: 0)

Zur Bredig bewegt mi hüt ds Thema Chrankheit, umen einisch. So viel Verwandti u Fründ sy vo Chrankheit betroffe, zum Teil vo schwäre. So tuen ig Öich hüt e Gschicht uslege, wie dr Jesus e Blinde heilt. Mir wei luege, was mer drus chöi nä. I cha zum Vorus säge: Zwo Sache muess dr Mönsch lehre. Zwo Grundhaltige vom Härz sött me entwickle, solang me uf däm Planet ungerwägs isch. : Higab und Hoffnig. Uf Chrankheit gmünzt heisst Higab u Hoffnig: Aanä u Heilig sueche. Die zwo Haltige z finde isch nid liecht.

Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte. Der hörte, daß viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten? Man sagte ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber. Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus:  Was soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen. Da pries er Gott und folgte Jesus. Und alle Leute, die das gesehen hatten, lobten Gott. Lukas 18,35ff

Es „saß ein Blinder an der Straße und bettelte“. Di einte triffts; dä da hie het kaputti Ouge. Di angere hei Schwein. Die meischte chöi no luege. Vo Chindsbeinen a het me sech a das gwanet: die einte triffts, die angere nid. Me sött sech nid dra gwöhne. Me sött realisiere, wi uglych ds Läben isch, wi ungrächt dass alls verteilt isch. Di einte sy am Bade uf dr Elba, die angere im Spital zure Chemo. Di einte strahle wi d Stärne, chöme i jedem Chäsblatt u hei Gält wi Heu, die angere hocke schwär depressiv ire Psychi. Unes isch de öppe nid eso, dass di Aschtändige, di Glöibige, die liebe Grosszügige gsund wäre u di eklige Rücksichtslose, di gottlose Abzocker u Chnuupesager Chrebs brchämte. Überhoupt nid. Es isch völlig zuefällig verteilt. Die wo s preicht, die preichts, u kene cha erchläre, werums di einte preicht u di angere nid. Da chumeni eifach nid drüber ewägg, wüsst dr.

Ir Bibel gits ja schöni Sätz, wo me sech wett dra chlammere, zum Bischpil us de Sprichwörter 10:
„Braust der Sturm daher, so ist der Frevler verloren, der Gerechte aber ist fest gegründet für immer. Gottesfurcht bringt langes Leben, doch die Jahre der Frevler sind kurz. Die Hoffnung der Gerechten blüht auf, die Erwartung der Frevler wird zunichte. Der Gerechte wird niemals wanken, doch die Frevler bleiben nicht wohnen im Land.“

Eso chan i das äbe nid gloube. I gseh weni drvo, dass es de Gottesfürchtige besser gieng im Läbe. Z viel liebi Lüt, frommi u aständigi, si mir scho ewägg gschtorbe. Un i wüsst wahrhaftig nid, mit was dass ig s itz verdient hätt, no törfe gmüetlech Wy ztrinken u Pizza z ässe.

Dr blind Bättler ar Strass, werum hets dä preicht? Was het dä agschtellt, dass er ds Liecht nümm darf gseh? Isch das „ein Frevler“, e Gottlose? Ja chöit tänke, allwä! En arme Tropf, eine wos jetz halt preicht het, das isch er. U eine vo vilne tusig Blinde, wo jetz uverschannt Glück het, will jetz bin ihm dr Jesus vrby chunnt! Also: mir sy da bi re Frag, wos ke Antwort git. Di einte preichts, di angere nid.

Wo dr Jesus es Jahr speter am ne Chrüz isch ghanget, het o är verzwyflet gschroue: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ U Antwort hets o für ihn nid ggä. Dr christlech Gloube git ke Antwort uf die Frag, wo schon es Chind chönnt stelle: „Werum het üses Muetti müesse stärben u di angere Müetter nid?“ Da druf, Chind, gits ke Antwort. U glych het dr Gloube öppis drzue zsäge.

Gott sälber het das ungrächte Mönsche-Schicksal uf sech gno, isch Mönsch worde, u zwar grad eso, dass es o ihn preicht het. Dass o är het müesse rüefe: „Werum, werum?“ u het ke Antwort übercho. Das isch es, was dr christlech Gloube drzue seit: Ja, die Wält isch wiene Chrieg, wos die einte preicht u die angere Schwein hei. Da muesch di dry gä. Da muesch drdür, so wie Gott o drdür isch. Dr Jesus het zwar bbättet: „Wes müglech isch, lass dä Kelch a mir vrby ga.“ U denn het er no gseit: „Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Das isch ds Aanäh, d Hingab ir ydrücklechschte Form. Wes um z töde muess sy: „Dein Wille geschehe.“ Das wott eim ds Läbe uf däm schwierige Planet lehre: öppis chönne anäh, wo üsem eigete Wille diametral widerspricht, wo eim gäge Strich geit.

Heit Dihr das scho glehrt? 66 Jahr bini jetz scho da; aber i has noni glehrt. I sägen Öich, i cha usrüefe, balgen u bugere, we ds Chlinschte nid geit, wien i s gärn hätt. Natürlech: meischtens ghörts niemmer weder vilech my armi Frou. Ir Öffentlechkeit chanis grad knapp vrchlemme, süsch wäri öppe nid lang Pfarrer gsy. Aber „aussen hui“ längt halt nid. Es zellt, was me innefür ghört im Härz, u da tönts wüescht, wes nid na mym Grind geit, das chanech säge.

U das muess ändere. I muess no lehre, d Wält aznäh, wie si isch. Muess lehre ja säge, o wes mi preicht. Eigentlech müessti lehre säge „dein Wille geschehe“ o bis öppis Schlimmem. Nid nume „mira“ chnurre. „Dein Wille geschehe“. I glouben a ne barmhärzige Gott. Er isch gwüss scho zfride mit eme „mira“. Aber ds Ziel isch „dein Wille geschehe“. Higab; Aanäh, was isch; aanäh, wien es isch. Das isch übrigens nid nume ds Zil im chrischtleche Gloube. O d Mönsche i de Religione vom Oschte, d Hindu, d Buddhischte, wei lehre, d Wält aaznäh, wie si isch. O d Muslime wei das.

Im chrischtleche Gloube aber isch das Aanäh ersch öppis. Öppis zwöits muess jetz e Chrischt no lehre, un es tönt wie ne Gägesatz: Hoffnig uf Veränderig. Chrankheit aanäh u zuglych bäte: „Mach mi gsund!“

Dr blind Bättler rüeft: „Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ „Kyrie eleison“ het er grüeft. „Erbarm di über mi!“ So hei ällwä viel Chrankni grüeft, we der berüemt Heiler isch i d Nechi cho. „Erbarm di!“ Aber dä Blind bi Jericho het no aghäicht: „Sohn Davids“, drum redt me no hüt von im. „Sohn Davids“ het natürlech gheisse: Chünigssuhn, rächtmässige Thron-Aawärter. Wüsst Dr, der Herodes, wo denn real isch Chünig gsy, isch äbe ke Davidssuhn gsy, nid dr rächtmässig Chünig, e frömde Fötzu usere edomitische Familie, wo vo de Römer d Chünigs-Chrone het aagno. Dr Blind rüeft: Jesus, du bisch dr wahr Chünig, dr geboreni Thronfolger! „Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen.“ Wohlmähl! Das isch doch sackgfährlech, was dä Blind da i eir Lutschterchi brüelet: läbesgfährlech für Jesus u für alli, wo sech zuenem zellt hei. Dä Lappi vo Bättler hetzt eim no Polizei uf e Hals!

Nume, dä het sech ds Mul nid la verbinde: „Du wahre Chünig, kyrie eleison“. Dä het scho gwüsst, was er muess mache, dass dä Jesus garantiert zuen im chunnt. „Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte Jesus: Was soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, ich möchte wieder sehen können.“

Dä het no Hoffnige, lueget! Blindheit isch denn unheilbar gsy. Aber dä hoffet, är chönnt wieder emal gseh wie die angeren alli, wo s nid preicht het. Dä erwartet s Liecht, sys Ougeliecht vom Jesus.

I gloube jetz, das isch ds zwöite, wo mer müesse lehre. Als erschts hani gseit, mer sötte lehre, d Wält u ds Schicksal aaznäh wie si äbe sy: „Dein Wille geschehe“. Aber s zwöite isch grad so wichtig, d Hoffnig: Gott cha d Wält, mys Schicksal, my Gsundheit u sogar mys störrische Härz verändere. Das isch die eigetlech Botschaft vo der Gschicht dahie. Wüsst Dr, ds erschte, dass mier Mönsche afe mal sötte lehre, d Wält eifach aaznäh, wie si isch; da sy öppen alli yverstande. Das schrybe d Philosophe, das chüschele d Esoteriker, das wüsse o Fritz u Vreni: Eh ja, die wo’s preicht, die preichts. Es isch halt eso, reg di nid uuf.

Aber dass es jetz o d Hoffnig bruucht, dass es nid muess blybe, wien es isch, dass Heilig u Veränderig müglech sy, da drmit syt der de „allein auf weiter Flur“. I ha ja gseit: Es schynt wie ne Gägesatz. Entwäder – oder. Entwäder, me nimmts halt aa, „Dein Wille geschehe“, oder me bättet u hoffet uf Heilig u Veränderig. Für üsi Logik isch das e Widerspruch, aber d Logik vo üsem Verstand isch halt beschränkt. Si erfasst numen e chlyne Teil vor grosse Würklechkeit. I Tat u Wahrheit ghört beides zäme: Higab und Hoffnig. Loset, was der Prophet Hosea schribt (6,1), e Satz, wo eim wahrhaftig nid i Gring wott u glych isch er wahr: „Kommt zurück zu Gott! Denn er hat Wunden gerissen, er wird uns auch heilen. Er hat verwundet, er wird auch verbinden.“

Het dä Blind vo Jericho chönne aanäh, dass er jetz halt blind isch u nume no cha bättle? Het er äch einisch gseit: „Dein Wille geschehe“? Mir wüsses nid. Aber won är dr Name Jesus vo Nazareth ghört, loderet Hoffnig uf, e mächtigi Hoffnig. Är setzt alls uf ei Charte u rüeft lut, was d Lüt verruckt macht, will si Angscht hei vor dr Polizei. „Du bisch dr rächtmässig Chünig!“ – „Bschsch! Schwig! Spinnsch! Bisch läbesmüed?!“ – „Wahre Chünig, erbarm di über mi.“ Dr Herodes het scho mänge la ufhäiche für weniger hochverräterischi Wort. E riskanti Hoffnig wird üs da vor Ouge gmale, e tollkühni. U mir, mir sölle o so kühn hoffe uf Veränderig, fasch chly gspunne u hartnäckig hoffe. Die Gloubes-Hoffnig söll is niemer usrede. Es muess nid blybe, wien es isch! „Christsein ist das Recht, ein anderer zu werden.“ „Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.“

Da drmit wotti langsam höre. Vergässe mer nid die beide Läbeszil, wo nid liecht sy z errangge: Erschtens vo Härze lehre aanäh, was mi preicht. Ja säge zur Wält, wie si isch, mit samt ihrem Leid. Zwöitens und zuglych: D Flamme vor Hoffnig häll aazünte im Härz, dass nüt muess blybe, wien es isch. Dr Verstand bringt nid beides uf d Reihe. Entwäder er däicht „Higab“, oder er täicht „Hoffnig“, da muess er hin u härggumpe. Aber ds Härz, wo tuet vertroue, cha beides mitenand gseh: „Gott legt uns eine Last auf, und er hilft uns auch.“

Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Gott segne dich und behüte dich. Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

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