Mundartpredigt Radio Tell/Heimatklang zur Bundesfeier

1. August 2014 (Kommentare: 0)

Grüessech u Gottwilche zur Bredig uf Radio „Tell“ u „Heimatklang“. I bi dr Ruedi Heinzer, Pfarrer vor reformierte Bärnerchilche, brchumen aber scho AHV. I wohne z Spiez, u Frutige isch mi letschti Gmein gsy. Ir Gmischte Jodlergruppe Frutigland singe mir ds Lied vor Theres Aeberhard-Hüsler: „s’Plange“. „I gschpür es Plange i mir inn, i gloub es het e töife, töife Sinn. Kennet Dihr das heimleche Plange innefür? Was isch äch das für nes Plange, wo ne töife Sinn het? Dr Schriftsteller Heinrich Böll git en inträssanti Antwort. Är isch gfragt worde, werum är a Gott gloubi. Loset, was är het gseit: „Nennen Sie es Sehnsucht oder Traum oder wie immer. Es ist das Empfinden, dass die Menschen zeitweise, (auch wenn sie glücklich verheiratet sind, Kinder haben und einen Beruf, der ihnen Spass macht,) dass die Menschen sich dennoch fremd fühlen auf dieser Erde. Ich glaube an Gott, weil wir uns auf dieser Erde nicht so ganz zuhause fühlen. Eigentlich wissen wir doch alle, dass wir noch woanders hingehören und von woanders herkommen.“ Das findi genial gseit.

All Jahr wird gfeschtet zur Bundesfyr, „Nationalfeiertag“. I danke Gott jedes Jahr ume drfür, dass mir sone vielfätigi, schöni, sicheri u richi Heimat törfe ha. D Jodler singe ihri Heimatlieder, uf Radio Tell/Heimatklang pouselos. Aber mr wei doch mal ganz ehrlech sy: Mier füelen is doch - o hie im Schyzerländli, o im Heimatdörfli -, nid geng nume so ganz toll deheime, oder? Wär sech sälber chly gschpürt, empfindet öppen emal das Plange uf en angeri, uf e besseri Heimat. Dr Christian Morgenstern het gseit: „Nicht da ist man daheim, wo man den Wohnsitz hat, sondern da, wo man sich verstanden fühlt.“ Er het rächt, ja, aber da muess i halt säge: Es git i mire liebe Schwyz wahrhaftig vieli, woni nid verstah u wahrschinlech no meh, wo mi nid verstöh. Gits en Ort, e Heimat, wo me sech ganz darf verstande füehle?

Moll, d’Sehnsucht, ds Plange nach so re würkleche Heimat, das kennen i de scho. Wüsst Dr, en Ort, woni cha ds Chalb mache u dr Bajass füre la; u alli lache, will si mi verstö. En Ort, won i mi Schwechi nid muess verstecke, won i offe darf säge, was i wieder für ne Mischt ha boue, u alli nicke, will si mi verstö. En Ort, woni cha gränne, vor Töibi oder vor Verzwiiflig, u mini Träne nid muess im Verschleikte abbutze, will me mi versteit. Dä Ort, dä gits - nid ir Schwyz, o nid wyt ewägg uf ere kanarischen Insle.

Dihr kenned vilech das berüemte Wort vom Apostel Poulus: „Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, unseren Erlöser.“ (Philipper 3,20). „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Die nöi Lutherbibel tuet träffend übersetze: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel.“ Mir sy äbe nid vo hie. Mier sy nume churz uf däm schöne Planet. Mier mache wien es Wälschlandjahr oder zwöi, aber mir wei de umen einisch hei! Mir sy Bürger vore angere Heimat, u geng umen einisch packt is halt - hie ir Frömdi - ds Heiweh. Das wär doch das Plange, Theres Aeberhard, gäll, das Plange, wo äbe wahrhaftig e töife Sinn het.

Wüsset Dihr überhoupt, was Heiweh isch? Vilech heit Dihr das füra gar nie müessen erläbe? Dä Chlotz im Hals, wome nid rächt weiss, was es isch? Ds nasse Chopfchüssi? U si fragen eim ir frömde Sprach: „Was hesch o, du gsehsch so truurig us,“ u me muess säge: „Nüt, nei, es isch ja alls guet, i bi ja gärn hie, i öjem schöne Land…“ Aber de am Telefon mit deheime, da bringt me kes Wort me füre, wils eim derewä erhudlet. I wünsche das ja niemerem, u glych, eigetlech sött das ja mal jedes müessen erläbe. Es schöns Gfüel ischs nid, aber es isch emel es Gfüel! Es tuet weh, aber es lat eim massiv la gschpüre, dass me nöimen äben e Heimat hätt.

Auso, we Dihr das no nie erläbt heit, de chöit Dihr ja mal zumne Asylant härehocke, wo scho chly dütsch cha. „Verzell mer mal chly vo dir deheime,“ chöit Dihr ne frage. Vilech gschpüret Der de ds Heiweh wenigschtens bim ne angere? Vilech chöit Der de mitfüele, was es heisst, bi luter frömde Lüt müesse zsy, wo eim i ds Pfäfferland wünsche, wo me nie rächt weiss, was Bruch isch bi ne u was nid, wo iri Musig eim so schräg vorchunnt, wo me d Witze nie versteit, wome nie vo sich cha rede, will eim eifach d Wort drfür fähle.

Gället, politisch müessemer scho luege; i finge, mir hei ungerdessi chly viel Usländer, vergliche mit angerne Länder. Aber loset: Wär sälber nid weiss, was Heiweh isch oder no nie het mitgfüehlt mit denen arme Tröpf, wo der Chrieg oder ds Eländ us irer Heimat vertribe het, dä het zur Asylpolitik gar nüt z säge, dä weiss nid, vo was er redt.

Aber zrügg zum Poulus, dä isch ja o geng en Usländer gsy. Es git für mi nid viel so wichtegi Sätz wi syne: „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Wär das weiss u cha gloube, dä gniesst es ganz speziells Läbesgfüel. Z Wüsse, i bi hie z Gascht, eigetlech bini neumen angersch, neumem viel bessers deheime, git es einzigartigs Sälbschtbewusstsyn. Däm wetti no chly nachgspüre, chömet Dr mit?

Mängisch het me ja als Chind das komische Gfüel, d Eltere syge gar nid di eigete Eltere, me syg d Tochter oder dr Suhn vom ne Chünig, me syg einisch gstohle u dene Eltere da ungeregjublet worde. Kennet Dr das? Dr Poulus wurd vilech säge: Das Gfüel isch gar nid so lätz. Du bisch nid vo hie, du bisch Burger vor Gottesstadt im Himmel, me vergissts nume gärn.

Är schribt das dr Gemein uf Philippi, das isch e römischi Kolonie gsy. Da hei viel Römer „fern der Heimat“ gläbt u gschaffet, die meischten als Soldate. Es het o viel Ussländer gha bi de römische Truppe. We eine 21 Jahr het dienet gha, het er zum Dank ds römische Burgerrächt übercho. U siner Ching hei das de chönnen erbe, so wie mier o ds Schwyzer Bürgerrächt g’erbt hei vo den Eltere. Ds Burgerrächt vo Rom het me aber o chönne choufe, wem e gnue Pinke zämekratzet het. Dr Poulus sälber isch e Jud vo Tarsus ir Türkei gsy, und är heig offebar vo sym Vater o ds römische Burgerrächt g’erbt gha, vrzellt der Lukas.

Einisch hets Krach gä wägere Bredig, woner offebar ines Wäspinäscht gstoche het. Legionäre hei ne verhaftet, a ne Pfoschte bbunge u hei ne afe mal welle uspeitsche, wi das leider üeblech isch syg. Du het er grüeft: „Syder wenn tüet Dihr hie römischi Burger uspeitsche!?“ Da hei si ne schnäll losbunge, si hei kener Lämpe welle mit de Vorgsetzte. E römische Burger het komfortabli Sonderrächte gha. Bhörde hei ne müessen aaschtändig behandle, besser als d Ussländer. E römische Burger het jederzyt törfe uf Rom iche. Me hetne nid törfen abwysen am Stadttor u ne nie törfe usschaffe. Eis Sonderrächt isch ds sogenannte Appellationsrächt gsy. E Burger het bi jedem Gricht törfen a di höcheri Instanz appelliere, also Beruefig ylege, zletscht sogar bis zur höchschten Instanz, bym römische Cheiser.

Das het dr Poulus de o mal gmacht, du het mene uf Staats-Chöschten uf Rom verfrachtet u dert imene komfortable Husarräscht bhalte, bis de dr Cheiser es Mal Zyt hätti gha, dä Fall z beurteile. U dr Cheiser het natürlech jahrelang Wichtigers ztüe gha. We also dr Poulus seit, „unser Burgerrecht ist im Himmel“, so het är so öppis vor Ouge wie sys Burgerrächt z Rom. Dr Himmel het me sech dennzmal mängisch vorgschtellt wiene riesigi Stadt, dr Himmel isch füre Poulus ähnlech gsy wie di prächtigi Rieseschtadt Rom, wyt ewägg, won är nume het kennt vom Ghöresäge.

Di glychi Vorschtellig finge mer im Hebräerbrief, wo nid vom Poulus isch, da heissts Kap. 13, 14: „Denn hier auf der Erde gibt es keinen Ort, der wirklich unsere Heimat wäre und wo wir für immer bleiben könnten. Unsere ganze Sehnsucht gilt jener zukünftigen Stadt, ´zu der wir unterwegs sind`.“ Da tänkt me sich dr Himmel als Zuekunft, als Zielort vo dene, wo dert häre ungerwägs sy.

Ds Wort, üsi Heimet syg im Himmel, chönnt o vom Jesus sälber sy. Dä het syne Jünger gseit, si sölle sech fröje, dass ihri Nämen im Himmel ufgschribe syge (Lukas 10,20). Lueget: o är brucht e juristischen Usdruck, wenn är a Himmel täicht: Dihr syt dert im Heimatregister ufgfüert, verzeichnet: heimatberechtigt im Himmel. Ds tütsche Wort „Himmel“ isch vilech sogar verwandt mit em Wort „Heim“. Drzue ä Schtrophe vom Adolf Maurer:

„Wir wandern hier durch Welt und Zeit, durch Freuden und durch Schmerzen, und tragen aus der Ewigkeit den Heimatschein im Herzen.“

I wott ech jetz aber kes X für nes U vormache. Die Überzügig vom Jesus, vom Poulus u vor wältwyte Chilche, dass üsi Heimet im Himmel isch, wird vo Materialischte lächerlech gmacht. Die hei ja zur Zyt i üsne Medie ender d Oberhand. Materialischte meine, d Naturwüsseschaft löj ke Platz für ne Himmel, für ne höcheri Heimat. Sie meine, der Mönsch syg nüt angersch als e Sack voll Chemikalie, wo zuefällig über Jahrmillione zämecho syge u jitz e grossi Röhre füeri. We das so wär, de wäri mir aber zfride, wines Chalb uf der Weid wes schiffet. Aber mir sy äbe nid zfride. Mier füelen is äbe nid ganz deheimen uf däm Planet. Mir chöi nis öppis bessers vorschtelle u hei mängisch myschteriöses Heiweh. Nume scho das – u no mängs angers – chönnt em Materialischt zeige, dass mir nid eifach es zuefälligs Hämpfeli Dräck chöi sy. Dass mer neumen angers härchöme u neumen angers härega. Dass mer Burger im Himmel sy. Es isch scho klar, dass d Naturwüsseschaft da drzue nüt seit. Si cha drzue nüt säge u wotts o gar nid, we si ärnschthaft betribe wird. Si weiss, dass ihri Inschtrumänt nume chöi wahrnäh, was me cha mässe. Dr Himmel aber, wo d Bibel drvo redt, dä chaisch nid mässe, so weni wie me d Liebi oder d Hoffnig cha mässe.

I ha ja welle däm spezielle Läbesgfüel nachegschpüre, wo me tarf ha, we me a d Heimat im Himmel gloubt. We Du ir Frömdi unger düre muesch, läbsch vo dere Gwüssheit: Es geit verby. U zwar nid nume: „es isch de einisch fertig“ (das gloubt dr Materialischt ja o), nei es geit verby, wül öppis Bessers nache chunnt, öppis Schöners. We De hei chunsch, bisch de wieder öpper. Dert luegt me wieder zue Der. Weni i hie ir Frömdi mi Standpunkt nid cha düresetzen u ds zwöi am Rügge ha, de weiss i, es chunnt de einisch us, wär rächt het gha. Es git e Rehabilitation. U we sött us cho, dass dr anger het rächt gha, de söll mer das grad rächt sy. Houptsach d Wahrheit chunnt einisch us! Weni muess gseh, wie viel kaputt geit u vor d Hüng, un i cha nüt mache drgäge, de tröschtets mi chly, z wüsse, dass i nid ewig hie muess blybe, chöit der das verschtah? I ga de mal ja wieder hei. I ha drum o gar nid s Gfüel, i müess alls erläbt ha, i müess i jedes Kaff gfloge sy u jedes Schiffsmenu probiert ha. Nei chumm! Häb Fröid am Chline ir Nechi! Was nähar chunnt, isch ungloublech viel schöner. U we langsam jedes Scharnier Gsüchti het u me meh Brülle brucht als Zangbürschtli, we me eifach geng wi weniger ma als ds junge Gmües, de dütet das drufhi, nid dass es gly fertig isch, liebi Materialischte, sondern dass me gly darf hei! I fröje mi wahnsinnig, so schön dass is hie finge.

E chrebs-chranke Bekannte i mym Alter het i syne letschte Tage zur Schwoscht gseit, är gloubi jetz o, dass es nach em Tod wyter göng uf ne Geisart. Die het grossi Ouge gmacht, will är ds Läbe lang e Materialischt isch gsy u für Religion nume es müeds Lächle het gha. Är heig ere gseit, är fingis däwä liechter zschtärbe. Ja, das gloub i wahrhaftig o. Drum het Gott üs dütlechi Botschafte la gä vo dr angere Heimat, wo uf üs wartet: „Unsere Heimat ist im Himmel“.

Aber jetz natürlech di wichtigi Frag: Was heisst „unsere Heimat ist im Himmel“, sy da alli gmeint? Mir wär das no so rächt, we da alli gmeint wäre, aber we mer em Poulus wei grächt wärde, het ers scho angersch gmeint. Sy Nachsatz zeigt, wien ärs meint: „Vom Himmel erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, unseren Retter.“ „Wir“, das si bim Apostel die, wo uf Jesus, dr Retter, dr Erlöser, tüe warte. Dr Poulus seit, är heigs noni im Sack, är heigs noni ergriffe, aber är jagi vor allem däm Ziel na, „der himmlischen Berufung, die Gott uns in Jesus Christus schenkt.“ Da ghöre mer öppis wichtigs: Ds Burgerrächt im Himmel isch e Beruefig, wo gschänkt wird. Me cha s nid choufe, nid verdiene u o nid erbe, gället, das sölle sech die hinger d Ohre schrybe, wo gläubigi Eltere hei: Muesch ne sälber ergryffe, dä Heimatschyn im Himmel, er wird nid vererbt. U me brchunnt ne bim Jesus. Nume bi ihm. Jedefalls mir hie, wo ds Längem u ds Breitem chöi ghöre u läse, wär Jesus isch u was er het gseit, mier müesse bi ihm verby, mier müessen is pärsönlech bi ihm mälde. „Wer den Herrn anruft, wird gerettet werden,“ heissts mehrfach. Ohni geits öppe nid.

So, jetz hei mr zäme über di wahri Heimat nachetänkt. Gället, bi üs gits ja zwöjergattig Lüt: Die wo Land hei du di angere. Das muess men eme Puur nid lang säge. Aber i ha das lang nid realisiert. Du bisch öpper, we D Land hesch. Da hesch o ne ganz starchi Beziehig zu Dym Land, u wo Dys Land isch, da isch Heimat. Das muess gwüss einzigartig schön sy, i weiss es nid, i ha ke Land, bi geng nume z Miet.

U wüsst Dr, s isch eifacher, ds Burgerrächt im Himmel z schätze, we me kes Land het. Die wo Land hei, sötte sech innerlech chly dischtanziere vo ihrer irdische Heimet. Es heisst, dr eint oder anger, wo gschtorbe syg, schpuki geng no uf sym Land desume, är fingi ke Rueu u heig sech nid chönne löse vo sym Land, vor irdische Heimat. Das si so Gschichte, wo me nid muess gloube. Aber si hei öppis Wahrs: Es we tragisch, we me sech vor luter Heimatgfüel so fescht a sy Bode hänkti, dass me dr Wäg nid fingt zur Heimat im Himmel. Wär nume i sym eigete Härd grüblet, gseht dr Himmel nid, u wenn er ihm vor dr Nase we.

So, jetz fyret schön u tanket Gott drby!

Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Gott segne dich und behüte dich. Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Dir heit d Stimm vom Ruedi Heinzer ghört, reformierte Pfarrer. I wohne z Spiez. We Dihr my Radiobredig wetted nacheläse oder usdrucke, de suechet uf myr Homepage. Da drfür schribet ir i d Suechmaschine my Name ohni Abstand u Punkt drzwüsche: www.ruediheinzer.ch.

Schön, dass Dihr zue glost heit. I wünschen Ech Glück i Stall u Stube.

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