Bettagspredigt: Esel sieht mehr als Reiter (4. Mose 22)

20. September 2009 (Kommentare: 3)

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Drei Botschaften bringe ich heute. Ich hoffe, sie berühren Euch wie mich: 1. Gott ist unsere Hilfe, aber manchmal steht Er einem im Weg, dass man meinen könnte, es wäre der Teufel. 2. Tiere sind manchmal näher bei Gott als wir Menschen, sie verdienen eine würdige Behandlung. Und 3. Am Dank-, Buss- und Bettag sollten wir das schwierige Wort einüben: „Ich habe gesündigt.“

Diese drei Botschaften findet man in einer ironischen Geschichte im 4. Buch Mose 22. Sie handelt von einem berühmten Propheten: Bileam, der Sohn Beors.

Aus Numeri 22, gekürzt:

In der Nacht sprach Gott zu Bileam: „Geh mit den Männern, die dich abholen.“ Am Morgen sattelte Bileam seinen Esel und ging mit den Hofleuten aus Moab. Aber da wurde Gott zornig, weil Bileam mitging, und der Engel des Herrn trat Bileam als Widersacher in den Weg. Als der Esel den Engel mit gezücktem Schwert in der Hand sah, wich er aus ins Feld. Da schlug ihn Bileam, um ihn auf den Weg zurückzubringen. Darauf stellte sich der Engel des Herrn auf den Mauern gesäumten Weg zwischen den Weinbergen. Der Esel sah den Engel, wich aus und drückte das Bein Bileams gegen eine Mauer. Da schlug ihn Bileam wieder. Da stellte sich der Engel des Herrn an eine Stelle, wo man nicht ausweichen konnte. Der Esel sah ihn und ging unter Bileam in die Knie. Der wurde wütend und schlug den Esel mit dem Stock. Da öffnete Gott dem Esel den Mund, und der sagte zu Bileam: „Was habe ich dir getan, daß du mich schon zum drittenmal schlägst?“ Bileam erwiderte: „Du hältst mich zum Narren! Ich hätte dich schon abgestochen, wenn ich ein Schwert hätte.“ Der Esel antwortete: „Bin ich nicht dein Esel, auf dem du seit Jahren geritten bist? War es etwa je meine Gewohnheit, dich zum Narren zu halten?“

Nun öffnete Gott dem Bileam die Augen, und er sah selber den Engel des Herrn auf dem Weg, mit gezücktem Schwert. Da verneigte sich Bileam tief. Der Engel sagte: „Warum schlägst du deinen Esel? Ich bin dir als Widersacher in den Weg getreten. Wäre der Esel mir nicht ausgewichen, hätte ich vielleicht dich umgebracht, ihn aber am Leben gelassen.“ Bileam antwortete: „Ich habe gesündigt, aber nur, weil ich nicht wußte, daß du mir im Weg stehst. Jetzt aber will ich umkehren, wenn dir mein Vorhaben nicht recht ist.“

Da sind wir in einer Märchenwelt, wo Engel einem im Weg stehen und Esel reden können. Für Leute, die Fernsehen schauen, muss man zu solchen Geschichten immer wieder sagen: Von den tiefen Wahrheiten des Lebens, gerade von Gott, können wir nur in Bildern reden, in Beispielen, Geschichten. So, wie unsere Seele in der Nacht zu uns redet mit Bildern und märchenhaften Geschichten. Vielleicht war das ja ein Traum von Bileam! Traumbilder können einem Dinge sagen, die man sich mit der Vernunft nicht ausdenkt.

Das erste, was unsere Geschichte sagt: Manchmal widersteht einem Gott. Er hilft einem nicht, sondern steht einem breitbeinig im Weg. Hat man uns in der Sonntagschule nicht gesagt, was? Natürlich nicht. Grosse Teile unseres Glaubens sind für Erwachsene, die auch Widersprüchlichkeiten ertragen können, die wissen, dass im wirklichen Leben nicht jede Rechnung aufgeht. Bei Bileam ist es besonders pikant: Zuerst sagt ihm Gott, er solle mitgehen mit den Leuten aus Moab. Wie er aber mit ihnen geht, wird Gott plötzlich zornig und stellt ihm einen Engel in den Weg. Irrational, widersprüchlich! Der Engel sagt zudem: „Ich bin dir als Widersacher in den Weg getreten.“ Nett übersetzt, aber im Hebräischen steht für Widersacher „Satan“! Irgendwie verrückt: Wer steht jetzt im Weg? Gott oder Satan? Oder beide zugleich? Kennen wir das nicht? Wir möchten etwas unternehmen, wir haben ein Ziel, wir sind auf bestem Weg, und da fängt es plötzlich an zu harzen. Leute fangen an zu meckern. Freunde springen ab. Man verknackst sich den Fuss. Unerwartet Hindernisse bauen sich auf. In solchen Situationen weiss niemand genau: Warnt mich jetzt ein guter Geist? Soll ich umkehren? Oder ist es ein gewöhnlicher Widerstand, den man auf jedem Weg überwinden muss? Gott oder Teufel? Man erfährt es oft erst lange hintendrein. Im Moment könnte der Widerstand von unten oder von oben sein. Diesen Zwiespalt, den man erleben kann, bildet die Bibel ab und warnt uns, es könnte auch uns so gehen.

Ähnlich merkwürdige Geschichten: Im Buch „Könige“ heisst es, Gott habe David beauftragt, das Volk zu zählen. Im Buch Chronik heisst es von der gleichen Volkszählung, der Satan habe David dazu verführt. Wenn die Reisen des Apostels Paulus nicht planmässig verliefen, sagt er gern, der Heilige Geist habe ihn gehindert. Aber einmal schreibt er, es sei der Teufel gewesen. Man weiss es nicht so genau. Und wenn Gott uns im Weg steht, brauchen wir oft besonders lange, bis wir‘s begreifen. Sogar der hochsensible Seher Bileam sah den Engel nicht, der ihm den Weg versperrte. Umso mehr müssen wir damit rechnen, dass wir blind sind für die feinen Mächte, die unser Leben leiten. Für heute wollen wir uns merken: Manchmal könnte ein Hindernis von oben sein und es gut meinen mit uns. Sicher nicht alle Widerstände kommen von Gott. Es gibt auch Mächte, die es nicht gut meinen mit uns. Aber schon manches scheinbare Unglück hat sich hintendrein als Fingerzeig vom Himmel erwiesen. Der Herrgott schaut zu uns wie eine Mutter zum Kind. Er lässt uns nicht immer gehen, wohin wir wollen. Manchmal steht er uns im Weg und sagt: Hier kommt‘s nicht gut, kehr um! Glücklich der Mensch, der das merkt und umkehrt!

Oder glücklich der Mensch, der mit einem Esel unterwegs ist! Das ist das zweite. Der Esel sieht mehr als der grosse Prophet. Tiere sind in gewisser Weise näher bei Gott. Hat nicht der Grossatt erzählt, plötzlich habe die Katze den Buckel gemacht, die Haare gesträubt und gefaucht. Sie habe das Gespenst gesehen. Aber er habe erst an der Katze gemerkt, dass da offenbar etwas ughüürig sei. Die Alten erzählen viel solches. 373 v. Chr. hat man einen merkwürdigen Zug beobachtet von Ratten, Schlangen und Käfern, die von der griechischen Küstenstadt Helike nach Koria wanderten. Fünf Tage später riss ein gewaltiges Erdbeben Helike ins Meer. Am 6. Mai 1976 strömten im Friaul aus allen Löchern Mäuse in die Stube, und die Katze war nirgends mehr zu finden. Die Säue taten verrückt und bissen sich die Schwänze ab. Feurige Zuchtstiere waren völlig apathisch. Am Abend riss ein Erdbeben 1000 Menschen in den Tod.

Tiere merken oft mehr als der Mensch. Sie waren schon Millionen Jahre auf dieser Erde, als es noch keinen Menschen gab. Die Bibel sagt im ersten Schöpfungsbericht, die Tiere seien vor dem Menschen erschaffen wurden. Und der Mensch habe im Sündenfall gegen Gottes Gebot verstossen und die Welt ins Chaos gestürzt. Tiere aber kennen keinen Sündenfall! Vielleicht leben sie in ungetrübter Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer. Vielleicht kann darum ein Esel die Engel sehen. Und wir Menschen können leider nur noch sehen, was man fotografieren kann?

Wie geht der Mensch mit den Tieren um, mit seinen älteren Geschwistern? So wie Bileam, der mit dem Stecken auf den Esel losschlägt und ihn abmurksen wollte, wenn er ein Schwert gehabt hätte? Wie würden wir Menschen dastehen im jüngsten Gericht, wenn auch zwei Tiere im Richtergremium sitzen würden? Können wir verantworten, was man mit Millionen Tieren macht in der Forschung für Pillen und Schminksalben? Könnten wir zuschauen, wie man aus lauter Gewinnsucht die Tiere in industriellen Schlachthöfen massakriert und so schön in Plastik verpackt, dass der Fritzli meint, das Fleisch wachse im Garten? Findet Ihr es recht, dass wir uns daran gewöhnt haben, so viel Tierfleisch zu essen? Weil wir immer mehr Tierfleisch essen, holzen sie den Regenwald ab, dass sie Rinderherden weiden können. Die grüne Lunge der Erde geht dadurch kaputt. Und mit dem Getreide, das man den Schlachttieren der Reichen verfüttert, könnte man allen Armen der Welt zu essen geben! Man muss als Christ nicht Vegetarier sein. Aber unsere Grosseltern haben es besser gemacht: Da gabs höchstens am Sonntag Fleisch, und wenn Gäste kamen. Wir müssen neu lernen, allen Tieren mit Respekt und Achtung zu begegnen; sie sind oft näher bei Gott als wir Menschen. So, wie wir jetzt mit den Tieren umgehen, sind wir Menschen nicht die „Krone der Schöpfung“, sondern vielmehr die „Dornenkrone der Schöpfung“.

Damit sind wir beim dritten Punkt: Als Bileam endlich den Engel sah, konnte er sagen: „Ich habe gesündigt. Jetzt aber will ich umkehren, wenn dir mein Vorhaben nicht recht ist.“ Aber der Mensch kann seine Fehler schlecht zugeben. Darum heisst der heutige Tag „Busstag“. Er erinnert uns: „Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung.“ Selbsterkenntnis ist der einzige Weg. Wer nicht ehrlich bereuen und sagen kann: „Ich habe gesündigt,“ wird die gleiche Sünde wieder und wieder machen. Aber schon im Garten Eden sagte der Mensch: „Die Frau hat mir gegeben.“ Und die Frau sagte: „Die Schlange ist schuld.“ Keines konnte sagen: „Ich habe gesündigt.“ Das erste Wort, das ein Mensch lernt, ist meistens „Mama“. Das Wort, das wir zuletzt lernen, ist: „Ich habe gesündigt.“ Man hat herausgefunden, dass unser Grosshirn zur meisten Zeit damit beschäftigt ist zu rechtfertigen, was der Mensch gesagt und getan hat. Wir haben einen perfekten Verteidiger da oben, der für alles eine Entschuldigung findet, was wir anstellen.

Am 7. Mai 1931 gelang es der New Yorker Polizei nach mörderischem Schusswechsel, endlich den sog. Doppelschuss-Crowley zu verhaften. Er war wohl der grösste Kriminelle, der New York je unsicher gemacht hatte. Dutzende hatte er kaltblütig erschossen. Noch während er aus allen Rohren auf die Polizisten schoss, schrieb er auf einen Zettel: „In meiner Brust schlägt ein gütiges Herz, ein Herz, das niemandem Unrecht tun könnte.“ Stellt Euch vor, sogar dieser Schwerverbrecher bildet sich ein, er sei ein guter Mensch. Um wie viel mehr meinen wir doch, wir seien gute Menschen; ich habe noch nie auf jemanden geschossen. Solange ich nicht sagen kann: „Da habe ich einen Fehler gemacht“, solange bleibe ich ein unreifer, pubertierender Höseler, auch wenn ich Runzeln habe und weisses Haar! Fehler machen ist keine Schande, es ist menschlich. Aber den Fehler ableugnen, Ausreden erfinden und anderen in die Schuhe schieben, das ist eine Schande. Ein ehrenwerter Mensch kann sagen wie Bileam: „Ich habe gesündigt; ich will umkehren.“ Der Dank- Buss- und Bettag 2009 wäre der beste in deinem Leben, wenn er dich für immer daran erinnert: Gib deine Fehler offen zu; denn „Gott ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte“.

Kommentar von Markus Heinzer | 26. November 2009

Das ist eine sehr interessante Predigt. Weiter so!

Kommentar von Keusen Märkel | 26. November 2009

Aber den Fehler ableugnen, Ausreden erfinden und anderen in die Schuhe schieben, das ist eine Schande. Ein ehrenwerter Mensch kann sagen wie Bileam: „Ich habe gesündigt; ich will umkehren.“ Der Dank- Buss- und Bettag 2009 wäre der beste

Kommentar von Cornelia Zangger | 26. November 2009

supi rüedu!

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